Deutschland ist einer der größten Märkte für das Kino und dementsprechend bekannt für eine hochwertige Synchronkultur. Außerhalb von Deutschland, gerade in kleineren Ländern, ist es hingegen vollkommen normal, zu den Untertiteln zu greifen. Doch was ist wirklich besser – und für wen?
Das macht eine starke Synchronisation aus
Die Stimmen von Profis wie Manfred Lehmann, der Bruce Willis über Jahrzehnte seine Stimme geliehen hat oder von Alexandra Wilcke, die Cate Blanchett Deutsch sprechen lässt, kennt jeder. Synchronfassungen haben in Deutschland eine lange Tradition und es gibt eigentlich keine größere Kino- oder Fernsehproduktion, die vor der Ausstrahlung nicht präzise und mit viel Aufwand deutscher, französischer oder russischer Übersetzer ins Deutsche übertragen wird. Die Stimme des Synchronsprechers ist fest mit den internationalen Stars verbunden. Das ist allerdings nur einer der Vorteile dieser Praxis in Deutschland. Die Synchronisation ermöglicht es, Dialoge ohne Ablenkung durch einen eingeblendeten Text wahrzunehmen. Der Blick für die Bildsprache und die Kameraführung bleibt somit frei. Gerade im Kino mit seiner großen Leinwand und schnellen Schnittfolgen ist das ein Pluspunkt, der die Immersion des Zuschauers in das Erlebnis unterstützt.
Natürlich gibt es auch Kehrseiten, denn jede Synchronfassung, und mag diese noch so gut gemacht sein, verändert Nuancen. Im Original moduliert ein Schauspieler seine Stimme subtil, Ironie, kulturelle Eigenheiten oder Unsicherheiten lassen sich so manchmal nur schwer direkt übertragen. Besonders deutlich werden die Schwierigkeiten bei Wortspielen oder bei sprachlichen Eigenheiten. Für Puristen und Cineasten ist damit klar, dass nur die Originalfassung die „wahre“ künstlerische Leistung der Filmemacher und der Schauspieler zeigt.
Untertitel: eine Kunst für sich
OmU, das Original mit Untertiteln, gilt bei Kinoliebhabern oft als goldener Kompromiss. Die Originalstimme des Schauspielers ist wahrnehmbar, zugleich gehen aufgrund fehlender Sprachkenntnisse keine Details der Story verloren. Sprachinteressierte, die Wert auf die Nuancen des Sprachgefühls legen, eignen sich so ein Gefühl für die Besonderheiten der schauspielerischen Leistung an. Die Untertitel helfen, die Details wahrzunehmen, die Synchronfassungen oft glätten. Spezifische Begriffe, regionale Akzente, der Soziolekt und emotionale Feinheiten bleiben so erhalten.
Nicht jeder ist ein Freund der Untertitelung, was oftmals an der individuellen Lesegeschwindigkeit liegt. Der durchschnittliche Leser schafft 150–180 Wörter pro Minute. Wer langsamer liest oder sich mehr auf die visuellen Details konzentriert, fühlt sich schnell gestresst und kann den Film oder die Serie nicht genießen. Je actionreicher eine Szene mit viel Text ist, desto mehr springt das Auge zwischen dem Bild und dem Untertitel, was das allgemeine Verständnis und den Filmgenuss deutlich erschwert.
SDH und CC – Untertitel als Garant für die Barrierefreiheit
Neben den klassischen Übersetzungsuntertiteln gibt es spezielle Formen für die Barrierefreiheit. SDH oder Subtitles for the Deaf and Hard of Hearing und CC, also Closed Captions. Besonders ist an diesen, dass sie nicht nur die Dialoge bieten, sondern auch die Hinweise auf die Musik, auf Hintergrundgeräusche oder die Stimmung im Ton und in der Stimme.
Menschen mit Hörbeeinträchtigungen sind auf solche Untertitel angewiesen, doch sie sind auch dann für Zuschauer praktisch, wenn sie im Zug sitzen oder nachts leise ohne Kopfhörer geschaut werden muss.
Mit den Streamingdiensten haben sich diese barrierefreien Formen der Untertitel stark verbreitet. Bei fast allen neuen Produktionen gibt es Optionen für CC und SDH an, was die Zugänglichkeit deutlich verbessert hat.
Eine Frage des Kontexts und der Vorlieben
Ist die Synchronisation besser oder bringen die Untertitel mehr Vorteile mit? Es hängt oft vom Kontext ab. Der Purist, der Wert auf jedes Detail und die künstlerische Authentizität legt, ist bei OmU am besten aufgehoben. Wer sich allerdings in erster Linie von den Bildern überwältigen lassen möchte, der fährt am besten mit der Synchronfassung. Fakt ist, dass SDH und CC eine echte Befreiung für Menschen mit Hörbeeinträchtigung sind.
Am Ende bleibt die Wahl beim Film- oder Serienfreund selbst: Besser ist, was das eigene Erlebnis bereichert.